#zerowaste: Aber warum eigentlich? — 5 gute Gründe plastikfrei(er) zu leben

Titelbild: #zerowaste: Aber warum eigentlich? — 5 gute Gründe plastikfrei(er) zu leben, Mülltüte in Baum

Gibt man in die Suchanfrage auf Instagram den Hashtag #zerowaste ein, so werden über 4 Millionen Beiträge vorgeschlagen. Mit verwandten Hashtags verhält es sich nicht anders. Unter dem Hashtag #lesswaste finden sich mehr als 400.000 Beiträge und unter dem deutschen Äquivalent #plastikfrei haben sich mittlerweile über 150.000 Beiträge angesammelt und es werden täglich mehr. Der Zero Waste Gedanke ist inzwischen auch in den sozialen Medien angekommen. Menschen teilen ihre Tipps, Verbesserungen oder nehmen uns einfach in ihren plastikfreien Alltag mit. Man könnte fast meinen der Hashtag hat aus einem Trend eine Bewegung gemacht. Doch ob langfristige Bewegung oder Trend: Was verbirgt sich eigentlich hinter all dem? Was sind gute Gründe um plastikfrei(er) zu leben?

#zerowaste: Aber warum eigentlich? — 5 gute Gründe plastikfrei(er) zu leben. Strand voller Müll
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Es gibt verschiedene, wichtige Gründe den Plastikkonsum radikal zu minimieren. Im folgenden nenne ich einige dieser Motivationen.

Seit den 1950er Jahren wurden lediglich 9% des bis heute entstandenen Plastiks recycled

Der erste wichtige doch dennoch nicht offensichtlichste Grund ist der Fakt, dass wir in Deutschland zwar den Müll trennen und ein Pfandsystem eingeführt haben, doch wird der Großteil des anfallenden Plastikmülls nicht recycled. Tatsächlich werden lediglich 28,6% aller Kunststoffabfälle recycled. Mehr als 400 Millionen Tonnen Plastik werden weltweit pro Jahr produziert. Verpackungen nehmen mehr als 30% dieser ein. Seit der Entstehung des Plastiks in den 1950er Jahren sind über acht Milliarden Kunstoff erzeugt worden von denen jedoch seither nur ca. 9% recycled worden sind. Und wie auch? Plastik wird immer häufiger verwendet, auch wenn die Nutzungslänge, zum Beispiel von Plastiktüten und To Go Bechern, oft nur wenige Minuten beträgt. Laut dem Plastikatlas können auch künftige Recycling-Anlagen diese wachsenden Mengen an Kunststoff nicht mehr stämmen. Stattdessen hat es sich als beliebtere Methode erwiesen, den Plastikmüll in andere Länder zu exportieren. Bis vor wenigen Jahren landete der Plastikmüll vor allem in China. Aufgrund von Regulationen, die China eingeführt hat, ist dies nun aber nicht mehr in diesem Ausmaß möglich. Doch das stoppt die Exporte nicht. Anstelle von China wird nun einfach in andere Länder exportiert. Ganz oben mit dabei sind Thailand, Vietnam, Malaysia und Indonesien. Kunststoffabfälle zu exportieren löst jedoch keines Falls unser Problem der Entsorgung. Auch China, Thailand und co. können den riesigen Müllbergen nicht standhalten. Der Plastikmüll landet dort beispielsweise auf Mülldeponien oder wird verbrannt. In Malaysia wird mittlerweile giftiges Abwasser von illegalen Recyclingfabriken in Gewässer geleitet. Und in anderen Ländern sieht es ähnlich aus. Der andere Weg der Müllverbrennung schadet, durch die Freisetzung von Stoffen wie Kohlenmonoxid, ebenso der Umwelt. Auch dem Mensch schadet dies, denn diese Art der „Müllentsorgung“ stellt durch die Chemikalien einen Grund für Krankheiten wie Krebs, Atemwegserkrankungen und Geburtsdefekte dar.

Nun meinen viele - unter anderem auch Politiker*innen - Deutschlands Anteil an dieser Misere sei minimal im Vergleich zu anderen Ländern. Es ist jedoch so, dass Deutschland in den Top drei der Plastikmüllexporteure ist. Exportiert wird vor allem nach Malaysia, Thailand und Vietnam. Und dabei produziert und verarbeitet kein anderes Land in Europa mehr Plastikmüll als Deutschland. Europa wiederum ist der zweitgrößte Plastikproduzent der Welt.

Graphik: Die globalen Plastikströme

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Graphik: Wo der deutsche Plastikmüll landet

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Jeder 2. Fisch enthält Plastik

Ein sehr bekannter Grund um Plastik zu vermeiden ist aus Rücksicht auf Tiere. Die meisten Personen haben bereits Videos von Surfer*innen gesehen, die beim Paddeln Müllstück für Müllstück aus dem Wasser sammeln. Auch Bilder von vermüllten Stränden sind den Meisten nicht unbekannt. Doch wie schlimm trifft es die Tierwelt eigentlich wirklich?

Jährlich landen um die zehn Millionen Tonnen an Plastik in den Meeren. Nahezu vorstellbar wird dies, wenn wir uns das Bild einer LKW-Ladung an Plastik vor Augen führen. Denn eben viel Plastikmüll geplant pro Minute in die Meere. Für Tiere, zum Beispiel Fische aber auch Vögel, stellt dieser Müll eine große Bedrohung dar. Verheddern sie sich nicht in dem Müll, essen sie den Müll und verenden mit vollen Mägen. Auch giftige Stoffe werden durch das im Wasser treibende Plastik freigesetzt. Auch dies ist sehr schädlich für Tiere. Ca. 2250 Tierarten sind von dem Müll in einer Art negativ betroffen. Die Existenz vieler Arten ist deshalb sogar bedroht. 1 Millionen Seevögel und 100.000 Meeressäuger sterben pro Jahr auf Grund des Plastiks in den Meeren.

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Graphik: Die unsichtbare Mülldeponie

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Krebs, Diabetes, Asthma: Plastik wird mit vielen Krankheiten in Zusammenhang gebracht

Die Forschungen wie sich all das Plastik auf unsere eigene Gesundheit auswirkt steckt zwar noch in den Kinderschuhen, doch bereits jetzt ist einiges bekannt und das erlangte Wissen ist beängstigend. In Zusammenhang mit Plastik werden beispielsweise Brustkrebs, Prostatakrebs, Unfruchtbarkeit, Asthma und Diabetes gebracht. Es gibt verschiedene Stationen während welcher Plastik der menschlichen Gesundheit schaden kann wie der Rohstoffgewinnung, dem Transport, der Herstellung, dem Konsum und der Entsorgung.

Graphik: Plastik und Gesundheit

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Bereits bei der Herstellung des Plastiks gelangen Schadstoffe in die Umwelt. Bei dem sogenannten Fracking-Verfahren werden Stoffe freigesetzt von denen bereits über 150 mit Krankheiten wie Krebs, Störungen des Immunsystems in Verbindung gebracht werden. Auch der Gebrauch von Plastik stellt eine Gefahr für die Gesundheit dar. So sieht der Verbraucherschutz der EU Schadstoffe in Produkten wie Spielzeugen und Kleidungsstücken als eines der größten Gesundheitsprobleme. Schadstoffe aus solchen Produkten gelangen zusätzlich in die Luft, wodurch der Mensch diese Stoffe einatmet. Dies hat vor allem schwerwiegende Ausmaße für Kinder. Diejenigen die sowieso schon viel mit Spielzeugen aus Plastik spielen, sind also durch körperliche Eigenschaften, wie dem Umstand, dass Kinder ebenso viel Luft wie Erwachsene einatmen, aber weniger wiegen, zusätzlich betroffen.

Auch Weichmacher in Plastik spielen eine große Rolle, wenn es um den Einfluss von Plastik auf die menschliche Gesundheit geht. Weichmacher müssen per Gesetz nicht gekennzeichnet sein. Sie wirken sich jedoch auf das Hormonsystem aus und könnten somit erneut Grund für verschiedene Krankheiten sein.


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In jeder Phase des Plastiks - von der Produktion bis zur Entsorgung - entstehen Treibhausgase

Wie so vieles Menschengemachte, wirkt sich auch Plastik auf das Klima aus. Wissenschaftler*innen haben nun einen direkten Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und Plastik gefunden. Einer der Gründe: In jeder Station des Plastiks, also von der Produktion bis hin zur Entsorgung, entstehen Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid und Methan. Alleine bei der Produktion und Entsorgung von Plastikmüll gelangen dieses Jahr ca. 850 Millionen Tonnen Treibhausgas in die Atmosphäre. Vergleichbar ist dies mit ungefähr 136 Kohlekraftwerken im gleichen Jahr. Auch das Verbrennen von Plastikmüll als Entsorgung setzt weitere Emissionen frei. Insgesamt könnten Kunststoffe 10-13% des gesamten CO2-Budgets einnehmen. Was bei diesen Berechnungen noch nicht mit bedacht wird, sind Auswirkungen wie die des Transports von Plastik und der Zerstörung von Lebensraum zur Herstellung dessen auf das Klima. Hier kommen mit Sicherheit noch einige Zahlen auf uns zu. Zudem erschwert Plastik als Müll den Meeren CO2 zu binden. Normalerweise entziehen Meere der Atmosphäre CO2 und kompensieren somit teilweise die menschengemachten Emissionen. Pro Jahr werden so von den Ozeanen rund 40% aller CO2-Emissionen gebunden. Durch die Tonnen an Plastikmüll im Meer wird dieser Prozess erschwert.

Graphik: Wie Plastik zur Klimakrise beiträgt

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Plastikruste und Plastikgestein: Plastik prägt das Landschaftsbild maßgeblich

Zu guter letzt haben Wissenschaftler*innen nun erstmals eine Plastikruste entdeckt. Diese befindet sich auf Madeira und ist in dieser Form zunächst einzigartig. Doch die Fläche dieser Kruste wird immer größer und überzieht vulkanisches Gestein. „Mittlerweile sind zehn Prozent der Fläche im Gezeitenbereich betroffen“, so Lingenhöhl (Chefredakteur von Spektrum.de). Die Kruste besteht aus Polyethylen und unterscheidet sich vom sogenannten Plastiglomerat, auch als Plastikgestein bekannt. Bei letzterem, auf Hawaii gefundenen, handelt es sich um eine Mischung aus geschmolzenen Kunststoffen, Vulkangestein, Korallenfragmenten und Sandkörnern.

Das Anthropozän, also unser Zeitalter, in dem der Mensch maßgeblich bestimmt wie die Erde aussieht, könnte nun zusätzlich dadurch geprägt werden, dass Plastik Teil der Landschaft wird. Nicht nur in Meeren, sondern auch als eine neue Gesteinsart.



#zerowaste: Aber warum eigentlich? — 5 gute Gründe plastikfrei(er) zu leben, Müll
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Ob für das Wohl der Tiere, wegen der eigenen Gesundheit, auf Grund des Klimawandels oder der Umwelt zuliebe: Jeder einzelne dieser Bereiche ist Grund genug um etwas gegen die Plastikflut zu unternehmen - durch eigenes Vermeiden von Plastik, dem Unterschreiben von Petitionen oder dem Erarbeiten von Lösungen.

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