Über Privilegien, Diskriminierungen und die Selbstverständlichkeit vieler, diese nicht sehen zu wollen

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“If the women don’t win, nobody wins. If queer people and marginalized people and freaks and outsiders cannot live free, freedom is an empty word.“

(Laurie Penny „Bitch Doctrine“, Seite 5-6)


Privilegien: Sie sind etwas, das die Meisten von uns genießen und doch wollen es die Wenigsten wahrhaben. Als ich anfing mich mit Feminismus auseinanderzusetzen, merkte ich schnell, wie stark die Diskriminierung auf Grund von Geschlechtern ausgeprägt ist. Nicht auch, sondern gerade noch in Deutschland.

In diesem Land verdienen Frauen durchschnittlich 22,3% weniger als Männer. Das liegt unter anderem daran, dass Frauen seltener eingestellt werden und wenn, dann öfter in Teilzeit, durchschnittlich mehr im Haushalt arbeiten und teilweise für den gleichen Job ein geringeres Gehalt bekommen als Männer. Jede dritte Frau in Europa ist ab einem Alter von 15 Jahren einer Form von Gewalt erlegen. Das betrifft unglaubliche 62 Millionen Frauen.

Privilegien. Männer haben sie. Indem sie den Job bekommen. Indem sie auf der Arbeit nicht gefragt werden, wer sich denn gerade um das Kind kümmere. Indem sie abends, auf dem Weg nach Hause, nicht so tun müssen, als würden sie telefonieren. Privilegien. Sie lassen sich nur schwer beschreiben und sind nicht auf den ersten Blick erkennbar. Wie kann man auch etwas sehen, was nicht vorhanden ist.

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Denn genau das bedeuten Privilegien. Auf Grund einer Eigenschaft, sei es wegen des vermeintlichen Geschlechts, der Hautfarbe oder Herkunft, nicht diskriminiert zu werden. Man könnte sagen, der Mann habe den Job bekommen, weil er ein Mann ist. Doch es ist viel mehr so, dass die Frau den Job nicht bekommen hat, weil sie eine Frau ist.

Doch auch ich als Frau habe Privilegien, die zunächst nicht sichtbar sind. Ich bin eine weiße, cis Frau. Ich fühle mich mit meinem mir angeborenen Geschlecht wohl, bin heterosexuell und komme aus einer Familie, die genug Geld hat. Ich habe eine gute Bildung genossen und kann auf die Universität gehen. All das sind Privilegien, die viele andere nicht die ihre nennen können. Meine Freundin durfte letztens in Berlin Mitte nicht in den Bus einsteigen. Sie wurde in Thailand geboren und hat eine dunklere Hautfarbe als ich.

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Das Schlimme ist, dass es so etwas wie Privilegien überhaupt nicht geben sollte. Das ganze Konzept an sich hinkt hinten und vorne. Es sollte selbstverständlich sein, dass die beste Person den Job bekommt. Doch das ist es nicht. Es sollte keinen Rassismus geben. Doch das tut es. Privilegien existieren, weil auf der anderen Seite Menschen diskriminiert werden. Macht funktioniert, indem andere Menschen unterdrückt werden. So einfach und so komplizierte ist es zugleich.

Fast noch schlimmer ist, wenn Menschen nicht akzeptieren, nicht sehen wollen, dass andere Menschen diskriminiert werden. Wenn Personen nicht wahrhaben wollen, dass sie in bestimmten Situationen bevorzugt werden und andere eben nicht.

Warum ich den Text eigentlich schreibe ist, weil ich seit Wochen immer wieder anfange zu schreiben. Einige der Texte werden fertig andere schreibe ich erst gar nicht zu Ende. Immer wieder erfasst mich dieser eine Gedanke: Ich bin privilegiert. Wie kann ich über mein Studium und die Arbeit schreiben, wenn andere nicht studieren können oder keinen so tollen Job haben? Letztens habe ich einen interessanten Satz auf Instagram gelesen: Nachhaltigkeit sei etwas für Privilegierte. Als würde es nur eine bestimmte Form des Privilegs geben. Es gibt viele Formen von Privilegien. Während jemand wegen fehlender Privilegien diskriminiert wird, können andere Eigenschaft für diese Person von Vorteil sein.

Wenn ihr diesen Blogbeitrag bis hierhin gelesen habe, habe ich nur eine Bitte an euch. Nur eine Message, die dieser Blogbeitrag tragen soll: Überdenkt eure Privilegien, lernt sie zu verstehen und auch, dass Andere eben deshalb diskriminiert werden.

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