Hass und Beleidigungen im Netz und was wir dagegen tun können

Titelbild: Hass im Netz und was wir dagegen tun können RiekesBlog.com

Der Fall um Sigi Mauer hat eine längst überfällige Debatte ausgelöst. Anonymer Hass im Internet ist nicht nur Alltag vieler Frauen. Aber auch. So wurde das Thema Mittelpunkt einer Diskussion, die viele besprechen. Zuletzt Alexandra Stani´c in ihrem Artikel der Vice „Wie mich der Hass verändert, den ich als Frau im Internet erlebe“. Und auch Mirella hat dem Thema Hass im Internet, und vor allem Hass gegenüber „öffentlichen Personen“, ein Video gewidmet. Dabei diskutiert sie unter anderem die Frage, ob Personen der Öffentlichkeit Hass und Beleidigungen ertragen müssen, nur weil sie mehr in der Öffentlichkeit stehen als andere. Sie fragt sich außerdem, ob wir nicht alle durch unsere Onlineauftritte in den sozialen Medien öffentlich sind. Wir posten bei Twitter, Facebook und nicht zuletzt Instagram. Zeigen unseren Alltag. Folgen Leuten, die anderen und vielleicht auch uns folgen. Ein ewiger Kreislauf, der darauf aufbaut öffentlich aktiv zu sein. Ist man also erst ab einer bestimmten Anzahl an Abonnenten „öffentlich“? Und warum sollten diese Personen mit Hass umgehen können?

Nur weil eine Person in der Öffentlichkeit steht, heißt das nicht, dass diese mit Hass umgehen können muss

Und da sind wir auch schon bei dem Thema auf das ich hinaus möchte. Ich habe einen relativ kleinen Instagram Account. Ich bin mir darüber bewusst, dass schöne Bilder besser ankommen als gesellschaftskritische. Trotzdem poste ich weiter, weil ich es als wichtig empfinde. Weil ich darüber bloggen und auf diese Themen aufmerksam machen möchte. Also poste ich ein Bild, zuletzt eines zu meinem Blogbeitrag zum Thema Sexismus in der Werbung. Für manch einen ein kontroverses Thema, ich weiß. Und ich habe lange überlegt, bevor ich den Beitrag und das Foto online gestellt habe. Hätte ich mich nicht vorher für die Uni intensiv mit der Thematik auseinander gesetzt, hätte ich es wohl nicht besprochen. Nichtsdestotrotz, Fakten hin oder her, erreichten mich kurze Zeit später schon die ersten Kommentare. Und selbst in meiner Community war kein einziges positives dabei. Ich wurde beleidigt, mehrmals, und mein Beitrag für „scheiße“ und falsch erklärt.

Was also tun, wenn einen solche Nachrichten erreichen?

Darauf eingehen, sich rechtfertigen und Zeit investieren für Personen, die damit genau das erreicht haben, was sie wollten. Wohl kaum. Solche Inhalte künftig nicht mehr teilen? Noch weniger. Denn so haben sie noch mehr erreicht.

Lerne ich besser damit umzugehen?

Ja. Zumindest im Ansatz. Und inzwischen nur einige Tage später lache ich nur noch über einige dieser Kommentare. Über die Dummheit einiger Menschen und deren fehlenden Weitsicht für Themen. Darüber, dass sie nie dazu lernen werden. Also schmunzle ich, denn man kann es nicht allen recht machen. Aber mich beschäftigen tut es trotzdem.

Solche Nachrichten erreichten mich in so kurzer Zeit, dass ich mir gar nicht vorstellen möchte, wie es größeren Blogger*innen ergeht. Blogger*innen wie Alexandra Stani´c, die tagtäglich mit solchen Nachrichten zu kämpfen hat. Die nie komplett lernen wird damit umzugehen. Und so werde auch ich nicht lernen damit umzugehen. Und ich möchte es auch nicht lernen müssen. Große Blogger*innen haben das Glück, trotz alledem eine Rückenstärkung zu haben. Das mag nicht alles vergessen lassen, doch es hilft.

Was wir also gegen Hass im Netz tun können und wie wir damit umgehen sollten?

Einzeln können wir zunächst nicht viel erreichen. Zusammen allerdings vieles. Ich als Person kann diese Kommentare löschen, negativen Personen keine Plattform mehr bieten, ihnen so wenig Zeit und Aufmerksamkeit wie möglich schenken. Ich kann versuchen dadrüber zu stehen. Wir gemeinsam können uns gegenseitig helfen. Wenn wir Beiträge sehen, die uns ansprechen, gefallen oder auch nur zum denken anregen, können wir kommentieren. Personen bestärken und unterstützen. Und gerade, wenn es um solche Themen geht, können wir kommentieren und „Hatern“ die Stirn bieten.

Ich glaube nicht, dass das die perfekte Lösung ist, und ich hoffe auch nicht, dass es überhaupt eine Lösung sein muss, aber es ist zumindest ein Anfang. Nicht die Beleidigten sollten "lernen damit umzugehen", sondern Beleidigungen sollten zur Rechenschaft gezogen werden. Und vielleicht ist das bald der Fall, denn mit Sigi Maurer's Fall erlangt das Thema höhere Medienpräsenz. So kann man jetzt spenden um Sigi Maurer's, aber auch die Prozesse weiterer Betroffenen, mitzufinanzieren und mitzuhelfen. Schon in kurzer Zeit kamen tausende an Euros zusammen.


Falls ihr mehr zu dem Thema lesen wollt, findet ihr hier noch einmal Alexandra Stanic's Artikel und Mirella’s Video.

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