>>Und woher kriegst du deine Proteine?<<

Titelbild: >>Und woher kriegst du deine Proteine?<< RiekesBlog

Ein Satz den ich nicht nur zu gut kenne, sondern auf den ich bei jedem Familienessen warte. Zu Ostern, Weihnachten und Geburtstagen in großer Runde. Alle lachen ausgelassen, unterhalten sich und genießen ihr Essen. Neben mir meine Schwester, der einfach kein Fleisch schmeckt, weshalb sie kaum welches isst. Neben ihr: Ich. Und ich kann die Sekunden zählen, bis das nur zu bekannte Gespräch losgeht. Das Gespräch über die angebliche Sinnlosigkeit meiner Ernährung. Halbwissen über die Risiken. Meinungen über meinen Lebensstil.

>>Vegetarische Ernährung ist so ungesund. Warum machst du das eigentlich?<<

Alle am Tisch antworten. Nur ich nicht. Ich würde. Doch jedes Mal, wenn ich einen Satz anfange, werde ich unterbrochen. Nur nicht darauf eingehen, denke ich mir dann. Je schneller wir darüber reden, desto schneller ist das Gespräch vorbei, hoffe ich jedesmal.

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>>Und sag mal woher kriegst du eigentlich deine Proteine?<<

Fragt mich *** während seiner dritten Portion Schokoeis. Es ist das „gute“ Eis. Das Sahneeis von dem alle schwärmen. Nach dieser Portion sei „aber wirklich Schluss.“ Gesundheit sei doch so wichtig und Ernährung spiele da eine ganz große Rolle. Deshalb esse er schließlich auch Fleisch, entgegnet er. Fleisch sei ganz wichtig wegen der Proteine. Da geht so eine dritte Portion Nachtisch auch schon mal. Aber Proteine, die bekäme ich nicht. Schließlich esse ich kein Fleisch.

>>Woher ich meine Proteine bekomme?<<, möchte ich dann fragen und es brennt mir schon auf der Zunge. >>Aus Vollkornbrot. Aus Spaghetti und Tofu. Aus Erdnüssen, Linsen und Erbsen. Aus Kartoffeln und so vielem mehr. Ernährung kann so vielseitig sein.<< Doch ich versuchte all das bereits. Nur glaubt mir keiner. >>Naja, dass sind allerdings andere Proteine. Das ist dir schon klar oder?<<

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Noch ehe ich antworten kann kommt schon die nächste Meinung.

>>Bei dir ist das ja noch einigermaßen in Ordnung. Wen ich nur gar nicht mag sind diese Veganer, die einem ihre Ernährung immer auf die Nase binden und alle anderen kritisieren müssen.<< Während er mir also, wie jedes Mal, wenn wir uns sehen, vorhält, dass ich mich falsch ernähre, während er mich kritisiert und nicht ausreden lässt, sind immer die Anderen, und in diesem Fall ich, Schuld.

>>Und deine Vitamine? B12 ist doch unabdingbar. Und was denkst du eigentlich was die Kuh macht, wenn man sie nicht isst?<<

An diesem Punkt unterbrach ich ihn.

>>Leben vielleicht?<< Entgegnete ich entgeistert. >>Und die Milch ist für die Kinder der Kühe da, nicht für Menschen. Oder trinkst du die Muttermilch anderer Menschen?<< >>Schwachsinn! Wenn man Tiere nicht isst, sterben sie. Sie sind zum essen da und nur zum essen.<< Wow.

Spätestens an diesem Punkt gebe ich auf. Und später: Ärgere ich mich. Mache mir Vorwürfe, dass ich mehr hätte tun können. Mehr sagen können. Mehr Infos. Mehr Schlagfertigkeit. Nächstes mal wäre ich besser vorbereitet. Doch inzwischen weiß ich mehr über Ernährung und unsere Umwelt als je zuvor und mehr als die meisten je wissen werden. Doch es bringt nichts. Ostern im darauf folgendem Jahr wiederholt sich genau die oben genannte Situation. Inzwischen kann ich jede Seite auswendig mitsprechen. Obwohl genau das, das Mitsprechen, das ist, was ich nie darf.

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Also falls es euch interessiert: Auch ich habe früher Fleisch gegessen. Und zwar sehr gerne. Weil es schmeckt. Zumindest mir. Doch ich für mich persönlich habe entschieden, dass es keinen Unterschied zwischen meinem Hund und dem Tier auf meinem Teller gibt.

Tiere müssen wegen Menschen leiden. Und Massentierhaltung ist keine Ausnahme, sondern vielmehr die Regel. Ich würde nie jemanden belehren. Manchmal wünschte ich mir nur eine Diskussion, zu der zwei Parteien gehören. Eine Diskussion, bei der auch ich mitreden darf und ernst genommen werde.

Meine Proteine bekomme ich aus vielen Lebensmitteln. B12 bekommen Tiere auch nur als Nahrungsergänzungsmitteln in Form von Tabletten in ihr Futter gemischt. Wenn man Tiere nicht isst, leben sie. Und abgesehen von den Vorteilen für die Tiere, hat diese Ernährung Vorteile für meine Gesundheit und für die Umwelt.

Das war meine Entscheidung und es ist auch mir zu Beginn nicht leicht gefallen. Im Gegenteil, und wenn es anderen schwer fällt verstehe ich auch das. Wenn jemand etwas gegen diese Ernährung einzubringen hat, dann höre ich zu. Aber bitte mit Fakten und wahren Informationen und nicht irgendwelchen Meinungen, die man im Internet aufgeschnappt hat. Es geht um ein miteinander und nicht um ein gegeneinander.

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Kommentare: 3
  • #1

    Franziska (Montag, 12 November 2018 08:51)

    Hallo Rieke,
    ja kann dir beipflichten. Proteintechnisch ist Vegan kein Problem, Vitamin B12 ist auch nicht das Problem solange man erwachsen ist. Und das sage ich als Ernährungswissenschaftlerin. Ich halte zwar von einer 100%igen veganen Ernährung nichts aber eben gerade das Argument man bekäme nicht genug Protein als Veganerin ist vollkommenen falsch. Man muss eben sehr bewusst essen und gut auf sich achten. Ich kenne aber auch die andere Seite des Veganismus, der bei dem man als Nicht-Veganer stetig überzeugt werden soll ab jetzt kein Tiermörder mehr zu sein. Du erlebst das andere Extrem, oft dafür kritisiert zu werden, dass du eben darauf achtest. Was meinst du? Ich vertrete folgende Haltung: Gute Informationen für alle und weniger millitant in die eine oder andere Richtung. :) LG

  • #2

    RiekesBlog (Montag, 12 November 2018 14:55)

    Hallo Franziska!
    Toll deine Meinung als Ernährungswissenschaftlerin zu dem Thema zu lesen! Ich finde auch, dass es wichtig ist informiert zu sein und andere Meinungen zu respektieren! Wie du schon sagst, kenne ich das Extrem vor allem von Nicht-Veganern und Veganerinnen. Allerdings habe ich auch schon sehr extreme Meinungen von Veganern und Veganerinnen gehört. Vor allem als ich selbst noch Fleisch gegessen habe. Das war immer sehr schade, weil es mich nichts hat überdenken lassen und kein Raum für eine Diskussion war, die von beiden Seiten kommt. Beide Seiten fühlen sich halt oft sehr schnell angegriffen. Umso schöner, wenn dann mal konstruktive Diskussionen ohne Verurteilung entstehen.

    Danke für deinen langes Kommentar :)
    Rieke :)

  • #3

    Franziska (Dienstag, 13 November 2018 08:25)

    Gern. Liebe Grüße.
    Vielleicht sehen wir uns ja sogar mal in 3D in Potsdam.