Buchtipp: Wenn Männer mir die Welt erklären

Titelbild: Wenn Männer mir die Welt erklären

Letztens hat mir ein Bekannter der Familie von seinem Urlaubstrip in meinen Wohnort erzählt. Er erzählte mir, wie schön die Stadt sei und welche Sehenswürdigkeiten und Restaurants es gäbe. Obwohl ich das natürlich alles schon wusste, denn ich wohne hier schon einige Jahre, hörte ich zu. Schließlich wollte er mir etwas über meine Universität weiß machen. Es ging lediglich um die Anzahl der Campi der Uni. Ich widersprach, denn ich kenne meine Uni nicht nur so gut, weil ich seit zwei Jahren hier studiere, sondern weil ich in der Presseabteilung arbeite. Das heißt, ich weiß alles mögliche über die Uni. Programme, Fakten und erst recht die verschiedenen Standorte. Wenn es noch einen außerhalb gäben würde, hätte ich schon längst auf Arbeit darüber berichtet. Ich versuchte ihm zu erklären, dass er da etwas vertauschen muss oder etwas falsch verstanden hat. Nach minutenlangem hin und her gab ich auf. Er war der Meinung, ich kenne mich hier halt nicht aus. Woher auch?

Solche Situationen kenne ich zu genüge. Nur nehme ich sie inzwischen anders wahr. Ich war schon immer genervt von solchen Gesprächen und nach einiger Zeit wusste ich was wann auf mich zu kommt, wenn ich mich mit bestimmten Personen unterhalte. Und ich legte mir Antworten zurecht. Doch — Überraschung — meine Antworten wollte niemand hören. Es interessiert niemanden. Manche Menschen wollen keine Unterhaltung führen, sondern ihre Meinung mitteilen. Nicht mehr und nicht weniger. Das weiß ich jetzt und auch, wenn es noch so anstrengend ist, lasse ich mich nicht mehr unterkriegen.

Vorschaubild: Wenn Männer mir die Welt erklären RiekesBlog

Nachdem mir das Buch „Wenn Männer mir die Welt erklären“ des Öfteren von Freundinnen empfohlen wurde und der btb Verlag es mir netterweise zu schickte, konnte ich endlich einen Blick hineinwerfen. Und so las ich über Stunden, auf jeder Zugfahrt und schließlich noch abends im Bett.


„Für Frauen zwischen fünfzehn und vierundvierzig Jahren ist die Gefahr, durch männliche Gewalt zu sterben oder verstümmelt zu werden, weltweit größer als durch Krebs, Malaria, Krieg oder Verkehrsunfälle zusammengenommen.“


Wusstet ihr, dass in den USA alle 9 Sekunden eine Frau geschlagen wird? Ein Ehemann sagte einmal aus: „Ja, ich habe sie geschlagen, aber nicht öfter als jeder normale Mann seine Frau schlägt.“ In den Vereinigten Staaten wird alle 6,2 Minuten eine Vergewaltigung gemeldet und wir haben durch die #metoo-Debatte gesehen, wie wenig Frauen sich trauen diese zu melden. Obwohl jede 5. Frau in ihrem Leben einmal vergewaltigt wurde, werden diese Vergewaltigungen als Einzelfall betrachtet. Häusliche Gewalt ist für US-amerikanische Frauen die häufigste Verletzungsursache und die Haupttodesursache für schwangere Frauen in den USA sind ihre Ehemänner. Und in anderen Ländern ist die Situation nicht besser. In Südafrika zum Beispiel finden pro Jahr um die 600.000 Vergewaltigungen statt. Kaum vorstellbar, wie viele Menschen das betrifft.

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Was das damit zu tun hat, dass viele Männer Frauen die Welt erklären wollen, beschreibt die Autorin Rebecca Solnit treffend. Sie veröffentlichte zunächst einen Essay, aus welchem später dieses Buch entstand. In diesem schreibt sie über Alltagssituationen, mit denen sich nur zu viele Frauen identifizieren können und setzt diese in einen größeren, viel umfangreicheren Kontext, der die Erklärungen der Männer und alles drum herum verdeutlicht und erklärt. So erklärt sie die Zusammenhänge zwischen Macht, Privilegien und Gewalt. Gewalt die diese Macht ausnutzt und festigt. Sie beginnt beim Unterbrechen von Sätzen und zieht sich durch viele Lebensbereiche.

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„Auch wenn so gut wie alle Verbrechen von Männern begangen werden, bedeutet das nicht, dass alle Männer gewalttätig wären. Die meisten sind es nicht.“


Rebecca Solnit beschreibt in ihrem Buch „Wenn Männer mir die Welt erklären“ treffend die Machtverhältnisse unserer Gesellschaft, die nur zu gerne übersehen werden wollen. Dabei erklärt sie nicht nur einmal, dass diese Denk- und Handlungsweisen nicht alle Männer beschreiben, aber viele. Statt eigener Erfahrungen lässt sie hierbei Statistiken und Fakten sprechen. Statistiken, denen viele widersprechen würden. Doch so ist das nunmal mit Statistiken: Menschen glauben ihnen vieles und stärken ihre Argumente mit ihnen. Doch wenn es um Statistiken geht, die nicht der eigenen Meinung entsprechen und sich eventuell sogar gegen einen selbst richten, sieht es ganz anders aus.

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Blogbeiträge über solche wichtigen Themen liegen mir immer besonders am Herzen, weshalb ich versuche alles perfekt zu formulieren. Um euch zu überzeugen, wie toll dieses Buch ist. Doch lasst euch am besten von dem Buch selbst überzeugen. Es ist es wert!

Prsample: Das Buch wurde mir freundlicherweise vobtb Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt.

*Die Zitate entstammen dem Buch "Wenn Männer mir die Welt erklären" von Rebecca Solnit.

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Kommentare: 1
  • #1

    Claudia (Freitag, 03 August 2018 16:11)

    jetzt bin ich noch neugieriger auf das Buch :)