Das Paradox der Androgynität und Gynandrie und warum es unsere Gesellschaft so gut beschreibt

Titelbild: Das Paradox der Androgynität und Gynandrie und warum es unsere Gesellschaft so gut beschreibt

Kochen ist was für die Frau. Aber grillen? Grillen ist männlich. Woran liegt das? Und denken einige Menschen selbst heutzutage noch, dass in solchen Sätzen auch nur ein Funken Wahrheit liegt? Hinterfragen Menschen nicht alles mit einer Logik? Die Erde ist rund. Fische können schwimmen. Menschen atmen. Doch wo liegt die Logik bei solchen Geschlechterrollen? Das ist natürlich eine rhetorische Frage. Ich habe schon die absurdesten Antworten gelesen und gehört.

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Sobald eine Person markante, starke Gesichtszüge besitzt, ist sie entweder ein Mann oder eine sehr männlich aussehende Frau. Einige werden dafür sogar kritisiert und beschimpft. Ausdrücke, welche ich hier nicht wiedergeben möchte und auch nicht werde. Wir schreiben den Geschlechtern 'Mann' und 'Frau' nicht nur bestimmte Verhaltensweisen, sondern auch äußere Merkmale und Eigenschaften zu. Diese Merkmale decken sich nur all zu oft mit den eben genannten Verhaltensweisen. Männer seien stark: Sie weinen nicht und hätten markante Gesichtszüge. Währenddessen seien Frauen gefühlsbetont: Dies deckt sich mit dem angeblich typischen Verhalten der Frau über alles reden zu wollen und weiche Gesichtszüge zu haben.

Man sollte Menschen nicht in Kategorien stecken.

Für viele ist hierbei klar, dass es sich um Vorurteile handelt. Denn man kann Menschen nicht in zwei Kategorien mit zugeschriebenen Eigenschaften stecken. Wahrscheinlich sollte ich eher schreiben, dass man dies nicht dürfe, denn die Gesellschaft macht es trotzdem. Jeden Tag. Sowohl unbewusst als auch bewusst. Wir sehen eine Person und ordnen als erstes ihr Geschlecht ein. Wir sehen ein kleines Kind im Kinderwagen und fragen die Eltern, ob es sich um ein Mädchen oder um einen Jungen handle. Manchmal muss man nicht einmal fragen, denn oft erkennt man es an der Farbe der Kleidung. Trägt das Baby blau, muss es wohl ein Junge sein. Trägt das Baby ein rosafarbenes Haarband muss es sich um ein Mädchen handeln. Eltern streichen Kinderzimmer grün, weil sie nicht wissen, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird. Und so können sie ausschließen, dass ein kleiner Junge in einem rosafarbenen Zimmer aufwächst. Dies zieht sich von der Kindheit bis in das Erwachsenenalter.

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Wir urteilen. Unentwegt.

Eigentlich ist es schon wieder spannend. An den Begriffen Androgynität und Gynandrie sowie an den Personen, die als jene bezeichnet werden, ist sehr gut zu erkennen, was unsere Gesellschaft noch immer als männlich und weiblich erachtet. Die Geschlechterrollen vermischen sich und so sind die vermeintlichen Eigenschaften nicht mehr hundertprozentig zuordnungsfähig. Man erkennt besser denn je, was weiblich und was männlich sei. Eine muskulöse Frau mit kurzen Haaren wird nur allzu schnell als gynandrisch bezeichnet und ein Mann, welcher nicht an Sport interessiert ist und eine für Männer untypische Figur hat, sei androgyn. Und das sind nur geringe Merkmale, was passiert erst, wenn eine Frau starken Bartwuchs hat?

Wir bekommen bestimmte Stereotype eingetrichtert. Leben sie weiter. Und trichtern sie anschließend anderen Menschen, wie unseren Kindern ein, welche sie vermutlich erneut weitergeben werden.

Man könnte sagen, so sei die Gesellschaft. Doch so einfach ist das nicht. Wir sind für diese verantwortlich. Der Mensch macht die Gesellschaft. Und man könnte sagen, dass dies nicht schlimm sei. Blau steht für Jungs. Rosa steht für Mädchen. Doch schlimm wird es, weil wir diesen Kategorien noch weit aus mehr zuordnen. Männer hätten markante Gesichtszüge. Männer seien in Relation zur Frau stark. Und stark wird in unserer Gesellschaft als gut erachtet. Und so steht männlich für Stärke und weiblich für Schwäche. Blau steht für Stärke. Rosa steht für Schwäche. Als wären es Kategorien, die sich gegenseitig ausschließen würden. Kategorien ohne ein Dazwischen. Doch es gibt nun mal nicht nur „den Mann“ und „die Frau“. Es gibt Menschen, die Frauen lieben, es gibt Menschen die Männer lieben, es gibt Menschen die Männer und Frauen lieben, es gibt Menschen die sich im falschen Körper fühlen und so viele mehr. Menschen die alle gleichwertig toll, stark und einzigartig sein können. Doch indem wir unsere Gesellschaft in diese zwei Kategorien 'Mann' und 'Frau' einteilen, gibt es automatisch keinen Platz für anderes.

Und jemanden auf Grund seines biologischen Geschlechts als besser darzustellen, hat irgendwann nichts mehr mit einem biologischen Geschlecht zu tun, sondern mit der Gesellschaft, die diese Geschlechter negativ oder positiv konnotiert.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Claudia (Samstag, 07 Juli 2018 23:28)

    so wahr und so toll (be)geschrieben !