Science Fiction — Wohin führt uns unser Social Media Wahn?

Titelbild: Science Fiction — Wohin führt uns unser Social Media Wahn? RiekesBlog

„In unserer Welt sind wir alle so in unseren Köpfen gefangen, dass es leicht ist zu vergessen was echt ist.“

„No one is this happy. A two-year-old with a fucking balloon isn't this happy.“

"Authentic gestures - that's the key“

Hansen: So in terms of quality, you could use a punch up right there. Ideally, that's up votes from quality people.

Lacie: Quality people?

Hansen: High fours. Impress those up-scale folks, you'll gain velocity on your arc and there's your boost.

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Ich habe mich letztens mit einer Freundin über eine Folge der Serie Black Mirror unterhalten. In dieser geht es um eine Welt, in welcher Menschen nach Sympathie und Höflichkeit bewertet werden. Jede*r bewertet jede*n. Und je höher die Punktzahl, desto besser ist das Leben. Man bekommt die bessere Wohnung, wird zu besseren Veranstaltungen eingeladen: Hat einfach mehr Erfolg und hat dementsprechend ein besseres Leben. Das heißt: gute Laune und Freundlichkeit — der Schein nach außen — wird als Voraussetzung für Erfolg gesetzt. Was sich erst einmal harmlos anhört, ist letztendlich doch völlig absurd. Denn in dieser Welt kann ein Schimpfwort dazu führen, nicht mehr akzeptiert zu werden. „Verdammt!“ führt zu einer schlechteren Bewertung und das wiederum dazu, dass man etwas nicht mehr darf. Andere bewerten dich. Fremde bewerten dich.

Die Folge baut auf einem Konzept auf, welches es in unserer Welt schon gibt. Denn ein System mit dem man fremde Menschen bewertet gibt es beispielsweise in China.

Nehmen wir das „Social Credit System“ Chinas als Beispiel. Dieses ist ein von der chinesischen Regierung eingeführtes System, nach welchem Bürger*innen unter anderem nach ihrem sozialen und ökonomischen Status, ihrem politischen Verhalten, ihrer Kreditwürdigkeit und ihrem Strafregister bewertet werden. Je nach Rating werden verschiedene Bereiche des Lebens beeinflusst.


„Wer es hingegen wagt, in den sozialen Medien ständig über die Missstände im Land zu schimpfen, bekommt Punkte abgezogen. […] Zugleich bedeute das 'die totale Kontrolle'.“ – Felix Lee


Während Personen mit einem negativen Rating mehr Steuern zahlen müssen, schlechteres Internet haben und keine Reisetickets mehr kaufen dürfen, haben Personen mit einem positiven Ranking eine bessere Chance auf Kredite und Vorteile bei Reisebuchungen. Es ist ein System der Massenüberwachung, welches derzeit noch freiwillig ist, doch dies soll sich vermutlich bis 2020 ändern.

Doch vielleicht muss man gar nicht so weit gehen. Vielleicht spielt sich all das viel näher und realer ab, als wir denken.

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Wir machen uns gesunde Smoothies und Food Bowls zum Frühstück. Investieren Zeit für das perfekte Foto. Wollen Likes. Immer mehr Likes.

„Wann ist die beste Zeit ein Foto zu posten?“

„Authentizität ist der Schlüssel.“

Ist es ein gutes Zeichen, wenn wir auf unseren Social Media Kanälen als sympathisch empfunden werden? In einer nicht existenten Welt? Oder ist diese virtuelle Welt schon in unsere übergegangen? Müssten wir uns nicht letztendlich fragen, was genau all das bedeutet?


Man sollte nicht den Beruf anderer als Bedingung für den Erfolg einer jeden setzen. Wir sollten nicht die virtuelle Welt mit der echten verwechseln.


Wir wirken nicht ohne Grund sympathisch, freundlich, mutig oder immer gut gelaunt. Bei den meisten Menschen steckt, wie sie auch selbst sagen, viel Arbeit hinter ihren Accounts. Und das ist auch nicht schlimm, denn so läuft das heute nun mal. „Influencer*in“ ist ein Beruf geworden. Doch man sollte nicht den Beruf anderer als Bedingung für den Erfolg einer jeden setzen. Wir sollten nicht die virtuelle Welt mit der echten verwechseln. Genau das ist es nämlich, was mich total an diese Serie erinnert: Die Entwicklung unserer Gesellschaft nach ihrer Reichweite, den Likes und Abonnenten, bezahlt zu werden. Du hast nicht 10000 Abonnenten? Pech gehabt.

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„Pass auf, was du online postest. Deine späteren Vorgesetzten sollen doch ein gutes Bild von dir haben.“


Früher hieß es: „Pass auf, was du online postest. Deine späteren Vorgesetzten sollen doch ein gutes Bild von dir haben.“ Man sollte keine Partybilder posten. Nicht zu viele Details preisgeben. Sonst beeinflusst das noch die echte Welt.

Heute heißt es noch immer: „Pass auf, was du online postest. Deine späteren Vorgesetzten sollen doch ein gutes Bild von dir haben.“ Doch mit einer komplett anderen Bedeutung dahinter. Poste viel, habe so viele Abonnenten wie möglich und gib dafür so viel von dir Preis wie nur möglich.

Du möchtest Model werden? Wie viele Abonnenten hast du denn?

Du möchtest ein Buch schreiben? Wie viele Abonnenten hast du denn?

Du möchtest singen? Wie viele Abonnenten hast du denn?

Denn: Wir werben zwar für dich und bieten dir einen Vertrag an, aber nur wenn du deine Käufer*innen schon mitbringst. Und das ist nur eine Seite, die von unserer Reichweite beeinflusst wird.

Du hast eine hohe Reichweite? Dann bekommst du auf all unsere Produkte Rabatt.

Du hast eine hohe Reichweite? Dann bekommst du das Buch gratis.

Du hast eine hohe Reichweite? Dann flieg doch für uns nach New York.

Wir werden von anderen Menschen bewertet. Unsere Bilder werden geliked, geteilt und uns wird gefolgt. Und unser Profil repräsentiert uns in der virtuellen Welt. Wer mehr geliked wird, hat in vielen Bereichen einfacher Erfolg im Leben.

Die Folge: Ein tolles Profil haben. Überzeugen.


Diese virtuelle Welt muss, auch wenn es allen Anschein nach so ist, nicht der Realität entsprechen. Bilder werden bearbeitet, Fotos gestellt und bestimmte Abschnitte abgeschnitten.


Doch wie in der Folge der Serie muss diese virtuelle Welt, auch wenn es allen Anschein nach so ist, nicht der Realität entsprechen. Um das Bild, welches man von sich und der Welt in der man lebt, vermitteln möchte, aufrecht zu erhalten werden Bilder bearbeitet, Fotos gestellt und bestimmte Ausschnitte absichtlich gewählt oder abgeschnitten. Das vermittelte Bild muss also noch lange nicht tatsächlich so existieren. Doch wie einfach dies dennoch funktioniert sieht man auf den Fotos dieses Posts. An dem Tag hat es geregnet und neben der ausgewählten Kulisse steht seit einigen Monaten eine der größten Baustellen der Stadt, gegen dessen Abriss seit Jahren demonstriert wird. Das sieht auf Bildern natürlich nicht gut und schon lange nicht perfekt aus. Kein Urlaubsfeeling. Kein spontanes Foto in der Abendsonne. Und es ist so einfach, diese Wirklichkeit zu verändern. Aus einer verregneten Baustelle, gegen welche seit Jahren demonstriert wird, wird ein schöne Laterne, ein toller Hintergrund und eine warme Abendsonne. Einfach das Bild rechts abschneiden, wärmer bearbeiten und lächeln. Um den schönen Schein zu wahren.

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Also was ist der Unterschied zwischen dieser dystopischen Welt aus der Serie und unserer virtuellen, die zu einer echten Welt geworden scheint? Oder anders gefragt: Eine Dystopie beschreibt die Zukunft, macht auf fragwürdige Entwicklungen des Hier und Jetzt aufmerksam und zeigt die schwerwiegenden Folgen. Entwickelt sich unsere Welt also zu dieser Dystopie?

*Die Zitate entstammen, wenn nicht anders gekennzeichnet, der Black Mirror folge „Nosedive“

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