Mainstream Feminismus — Eher ein Trend als eine Bewegung

Titelbild: Mainstream Feminismus

8. März 2018 — Weltfrauentag

Die sozialen Medien sind voll von Posts, welche die Frauen und das was sie erreicht haben zelebrieren. Frauen, die Frauen feiern. Stolz sind. Kleidungsunternehmen, die anlässlich zu diesem Tag ‚Female Empowerment‘ T-Shirts verkaufen. Frauen unterstützen. Drogerieläden, die 20% auf Produkte geben. Zelebrieren. Alle posten. Und ich: Stehe still. Nur still. Mir fällt nichts ein was ich dazu sagen könnte. Mir fällt nichts ein warum ich diesen Tag unterstützen sollte. Für mich ist jeder Tag ein Tag an dem ich stolz darauf bin, was Frauen schon erreicht haben. Ich bin stolz darauf zu wissen, was es bedeutet eine Frau zu sein. Dass wählen zu gehen ein Privileg ist. Ich bin dankbar für all die Frauen, die vor uns für uns gekämpft haben. Genauso denke ich jeden Tag daran wie viele Frauen es auf der Welt gibt, die weniger haben als wir. Noch so viele Frauen auf der ganzen Welt werden in Abhängigkeit von ihrem Mann definiert.

In der Werbung: Wird noch immer jede dritte Frau sexualisiert dargestellt.

Im Beruf: Gibt es noch immer eine Gender Pay Gap von sage und schreibe 22,5%.

In der Politik: Seit die AfD und die FDP im Bundestag vertreten sind, ist der Anteil der Frauen gesunken und liegt jetzt bei 30,6%.

Aber es geht gar nicht ‚nur‘ um Deutschland. Es geht nicht ‚nur‘ um Karrierefrauen, die auch Chefin eines Unternehmens sein wollen. Es geht nicht ‚nur‘ um weiße Frauen aus der Mittelschicht. Und versteht mich nicht falsch, auch für diese Frauen muss weiterhin gekämpft werden, aber es geht auch um all die anderen Frauen auf der Welt. Frauen, die noch viel weiter von Gleichberechtigung entfernt sind als wir.

Wir haben noch nirgendwo auch nur ansatzweise eine Gleichstellung erreicht. Nicht in Sierra Leone und auch nicht in Deutschland.

Denn so einfach ist das nicht. Ich kann nicht einfach ein ‚The Future Is Female‘ T-Shirt kaufen und mich dann als Feministin bezeichnen. Als wäre mein Job dann getan. Die Zukunft ist nicht weiblich und das soll sie auch gar nicht sein. Es sollte ‚The future is Equal‘ heißen. Das heißt nicht, dass Männer auf einmal benachteiligt und Frauen bevorzugt werden. Das heißt einfach nur, dass jeder Mensch, ob Frau, Trans, Inter, Lesbian, Gay, Queer, Mann und alle anderen die es gibt, endlich gleichberechtigt sind. Denn es gibt absolut keinen Grund, warum das nicht so sein sollte.

Und allein, dass so viele Menschen diese T-Shirts kaufen, beweist, dass es hier vielmehr um Mainstream Feminismus geht als um eine Bewegung. Einen Trend. Ich muss zugeben, dass es nicht der schlechteste Trend ist. Und vielleicht fangen die Menschen dadurch wirklich an über das Thema Gleichstellung nachzudenken. Aber letztendlich nutzen viele Unternehmen diesen Trend und verdienen viel Geld damit.

"In unserer Rossfrau-Filiale helfen euch die Männer heute beim Einpacken" - Rossmann

Was hat ein gravierter 'Revlon' Lipgloss mit Feminismus zu tun? Oder ein Pinsel von 'For Your Beauty'? Rossmann wird für einen Tag zu Rossfrau. Ein Tag bei dem „auch  Männer helfen“. Aber nur „heute“. Dies teilt die Drogeriekette Rossmann per Instagram. Auf dem Foto eine Kassiererin und ein Mann der ihr bei ihrem Job hilft.

Natürlich werden bei Rossfrau Frauen auch geschminkt. Denn wie wir alle wissen, ist das Erkennungsmerkmal der Frau die Schminke. Denn Aussehen ist alles.

Das Europäische Parlament macht Werbung, damit mehr Frauen in Männerberufen arbeiten. Denn Männerberufe sind die ‚richtigen‘ Berufe? Tatsächlich ist es jedoch so, dass Frauen in diesen Bereichen oft weniger verdienen als Männer. Zudem waren heutige Männerberufe oftmals einst typische Frauenberufe und andersherum. Nehmen wir den Beruf SekretärIn: Früher war dies ein reiner ‚Männerberuf‘ und sehr gut bezahlt. Heute arbeiten überwiegend Frauen in diesem Beruf und werden viel schlechter bezahlt als die Männer damals. Lässt sich daraus schließen, dass es überhaupt nichts bringen würde Frauen in ‚Männerberufe‘ zu integrieren? Passt sich das Gehaltsniveau in unserer Gesellschaft ganz automatisch an das Geschlecht an? Viele Zahlen würden diese Theorie belegen. Quelle: Ein bisschen gleich ist nicht genug! - Anke Domscheit-Berg

Mango Werbung für Frauentag

Quelle: Mango

Mango wirbt für Print-Shirts für nur 12,99€. Ziemlich niedriger Preis. Der kommt daher, dass diese T-Shirts in Entwicklungsländern hergestellt werden. Oftmals nähen dort: Mädchen.

So funktioniert das Internet und die sozialen Medien. Posten. Influencen. Werben. Und am 8. März hat dieses Posten seinen Höhepunkt erreicht. Man könnte fast meinen es war die ultimative Werbung für Firmen.

Heute ist Weltfrauentag. Und was ist morgen?

Ich möchte mit diesem Post niemandem zu Nahe treten und ich bin mir ziemlich sicher, dass sich genau die falschen angesprochen fühlen. Es gibt viele FeministInnen, die jeden Tag für unsere Rechte eintreten und wissen was hinter alle dem steckt.

Das könnte dir auch gefallen
Postvorschlag 1: Warum wir immer mehr wollen
Postvorschlag 2: Let's stop letting fears define our future

Was fällt dir zu diesem Thema ein?

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Claudia (Samstag, 10 März 2018 20:00)

    Bin soooo stolz auf dich .... :) toll geschrieben !